Fragen zum Zusatzbeitrag

Die Kostenentwicklung bei den gesetzlichen Krankenkassen wird im Jahr 2018 und 2019 möglicherweise nicht zu einem weiteren Anstieg der Zusatzbeiträge führen. Aufgrund der guten finanziellen Situation und Entwicklung in den letzten Jahren haben bereits einige Krankenkassen die Senkung ihrer Zusatzbeiträge in Aussicht gestellt.  Noch im Jahr 2016 war durchschnittlich jeder dritte GKV-Versicherte von zum Teil deutlich steigenden Beiträgen betroffen. Seit der Einführung des individuellen Zusatzbeitrages im Jahr 2015 haben mit einer einzigen Ausnahme bislang alle gesetzlichen Krankenkassen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, auf den allgemeinen Beitragssatz einen Aufschlag zu erheben. Bevor sich viele Versicherte für das Jahr 2018 über Senkungen freuen konnten, erhoben 2017 erstmalig alle Krankenkassen einen Zusatzbeitrag.
Im Folgenden finden Sie Antworten auf wichtige Fragen rund um den Zusatzbeitrag.

Warum ist der Zusatzbeitrag eine finanzielle Belastung?

Nach der aktuell (noch) gültigen Regelung unterscheidet sich der Zusatzbeitrag vom allgemeinen Beitragssatz durch ein signifikantes Detail: Er ist zu 100 Prozent nur von den versicherten Mitgliedern der Krankenkassen zu tragen. Das bedeutet, dass der Zusatzbeitrag von derzeit (2018) 0,00 Prozent (günstigste Krankenkassen) bis 1,70 Prozent (teuerste Krankenkasse) in voller Höhe auf das Bruttoeinkommen angerechnet und automatisch vom Gehalt abgezogen wird. Steigt der Zusatzbeitrag an, sinkt der Nettolohn parallel um den entsprechenden Betrag.

Ab 1. Januar 2019 werden die Versicherten finanziell entlastet. Infolge des Versichertenentlastungsgesetzes (GKV-VEG) teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer bzw. Rentenversicherung und Rentner neben dem allgemeinen Beitragssatz auch den Zusatzbeitrag paritätisch und übernehmen jeweils die Hälfte der Kosten.

Was ändert sich hinsichtlich des Zusatzbeitrages 2019?

Mit Beginn des kommenden Jahres trägt der Versicherte die Kosten für den Zusatzbeitrag nicht mehr allein. Stattdessen wird der kassenindividuelle Zusatzbeitrag vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer oder Rentenversicherung und Rentner paritätisch finanziert. Infolgedessen werden beide Parteien die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zu gleichen Teilen übernehmen.

Warum gibt es überhaupt Zusatzbeiträge?

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen keine Therapie und keine Behandlung aus dem geltenden GKV-Leistungskatalog ablehnen. Weder dürfen sie ein Mitglied wegen Beitragsschulden aus den Versicherungsleistungen ausschließen noch ist es ihnen erlaubt, Anträge auf Mitgliedschaft bei Erfüllen der gesetzlichen Voraussetzungen abzulehnen. Dem gegenüber steht, dass jährlich die Kosten für ambulante Medizin, Krankenhausbehandlungen, Medikamente und Heilmittel oder die notwendige Selbstverwaltung steigen.

Aus diesen genannten Gründen sind viele Krankenkassen nicht in der Lage, mit den zugewiesenen Beitragsgeldern und zusätzlichen Steuermitteln auszukommen. Gesetzliche Krankenkassen sind einerseits Körperschaften öffentlichen Rechts, andererseits müssen sie aber wie Wirtschaftsunternehmen geführt und behandelt werden. Ist die Jahresbilanz einer Krankenkasse negativ, muss der Verwaltungsrat die Einführung oder die Anhebung eines Zusatzbeitrages beschließen. Nach einer Prüfung durch das Bundesversicherungsamt wird dieser in der Regel genehmigt und tritt mit dem avisierten Stichtag in Kraft.

Warum haben Krankenkassen unterschiedliche Zusatzbeiträge?

Jede gesetzliche Krankenkasse kann die Höhe ihres Zusatzbeitrages individuell bestimmen. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist nach oben nicht begrenzt und vor allem davon abhängig, in welcher wirtschaftlichen Situation sich die Krankenkasse befindet.

Wie hoch wird der Zusatzbeitrag 2019 sein?

Eine verlässliche Information über die genaue Höhe des Zusatzbeitrages geben die Krankenkassen erst nach den Verwaltungsratsbeschlüssen im letzten Quartal eines Kalenderjahres bekannt. Bis es soweit ist, können sich Versicherte anhand von Tendenzen, Bilanzen, Quartalszahlen und Aussagen von verantwortlichen Personen orientieren. Im Jahr 2018 liegt Zusatzbeitrag der Krankenkassen im Durchschnitt bei 1,0 Prozent. Aufgrund der guten Konjunktur und der politischen Debatte kann für 2019 mit Senkungen des Zusatzbeitrages gerechnet werden. Einige Krankenkassen haben eine Verringerung des Zusatzbeitrages bereits in Aussicht gestellt; beispielweise will die Knappschaft ihren Beitrag bereits zum Oktober 2018 senken.

Faustregel: Kassen mit ausreichenden Finanzreserven erhöhen ihren Zusatzbeitrag, wenn überhaupt, moderat. Kassen mit Minusbilanzen sind gezwungen, ihren Zusatzbeitrag entsprechend deutlich zu erhöhen, um wieder schwarze Zahlen erreichen zu können.

Muss mein Arbeitgeber die Hälfte des Zusatzbeitrages bezahlen?

Momentan beteiligt sich der Arbeitgeber noch nicht am Zusatzbeitrag, sodass dieser von versicherten Mitgliedern allein aufzubringen ist.

Ab 1. Januar 2019 wird der Arbeitgeber (ebenso der Rentenversicherungsträger) die Hälfte der Kosten des Zusatzbeitrages bezahlen.

Erheben alle gesetzlichen Krankenkassen einen Zusatzbeitrag?

Mit Ausnahme der Metzinger BKK erheben zurzeit (2018) alle Krankenkassen Zusatzbeiträge. Diese liegen zwischen 0,30 Prozent und 1,7 Prozent. Im Jahr 2019 kann sich die Höhe der Zusatzbeiträge wieder ändern. Die Liste Zusatzbeitrag der Krankenkassen bietet eine Übersicht des aktuellen Stands.

Kann ich aufgrund der Erhöhung des Zusatzbeitrages meine Krankenkasse wechseln?

Ja. Wenn die gesetzliche Krankenkasse einen Zusatzbeitrag erhebt oder erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigungsfrist beträgt dabei zwei Monate. Die Kündigung muss allerdings bis zum Ende des Monats erfolgen, in dem die Erhebung oder Erhöhung wirksam geworden ist. Den Zusatzbeitrag müssen Versicherte jedoch bis zum Eintritt der Kündigung vollständig zahlen.

Wie kündige ich meine Krankenkasse?

Eine Kündigung der Krankenkasse muss schriftlich und mit eigener Unterschrift erfolgen. Das Schreiben muss korrekt datiert und adressiert sein und sollte die Versicherungsnummer (Kassen-Nr.) und Versicherten-Nummer enthalten. Beide Angaben sind auf der Vorderseite der Chipkarte zu finden. Zu beachten ist außerdem die Kündigungsfrist von zwei Monaten, immer gerechnet ab dem letzten Tag des laufenden Monats. Erhöht sich der Zusatzbeitrag, gilt ein Sonderkündigungsrecht. Dieses entbindet jedoch nicht von der Kündigungsfrist.

Diese Anleitung zur Kündigung hilft Ihnen beim Krankenkassenwechsel.

Kann ich den Zusatzbeitrag von der Steuer absetzen?

Ja. Wie alle Krankenversicherungs- und Pflegeversicherungsbeiträge sind die Zusatzbeiträge in der Lohnsteuererklärung unter dem Punkt Sonderausgaben voll absetzbar. Dies regelt das Bürgerentlastungsgesetz. Voraussetzung ist, dass die Beiträge selbst gezahlt und nicht von Dritten geleistet wurden. Die Höhe der im Steuerjahr geleisteten Krankenkassenbeiträge inklusive Zusatzbeitrag ergibt sich aus der Jahresentgeltbescheinigung des Arbeitgebers. Selbstständige und andere freiwillig Versicherte erhalten diese Angaben in der jährlichen Bestätigung für die Steuererklärung.

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