Entwicklung des Zusatzbeitrags

Die Geschichte des Zusatzbeitrags spiegelt die Etappen der Gesundheitspolitik und des Konjunkturverlaufes in Deutschland. Mit einem zweiten und zusätzlich zu entrichtenden Krankenkassenbeitrag einseitig zu Lasten der Versicherten verabschiedete sich die Politik vom Grundsatz der Parität zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, wie er jahrzehntelang für die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung gegolten hatte. Im Folgenden finden Sie einen Abriss und eine Übersicht dieser Entwicklung.

Timeline

2019
Januar 1
2015
Januar 1

Zusatzbeitrag wird einkommensunabhängig

Ab 2015 gilt wieder ein allgemeiner Beitragssatz von 14,6 %. Die Kassen können einkommensabhängige Zusatzbeiträge statt pauschaler Summen erheben. Die Belastungsgrenze für den Sozialausgleich steigt auf zwei Prozent der jährlichen Brutto.
2011
Januar 1

Abschaffung Sonderbeitrag | Einführung Sozialausgleich

2011 wurde der Sonderbeitrag abgeschafft und der allgemeine Beitrag auf 15,5 % erhöht. Der AG-Anteil wurde auf 7,3 % begrenzt. Die Kassen dürfen Zusatzbeiträge ohne Obergrenze erheben. Zur Entlastung gibt es einen Sozialausgleich.
2010
Januar 1

Erste Zusatzbeiträge erhoben

Ab Januar 2010 erhoben erstmals einige gesetzliche Krankenkassen einen Zusatzbeitrag als pauschale einkommensunabhängige Prämie. Die Versicherten erhielten eine schriftliche Zahlungsaufforderung auf dem Postweg.
2009
Januar 1

Einführung Allgemeiner Beitragssatz + Zusatzbeitrag

Zum 01.01.2009 wurde der allgemeine Beitragssatz der GKV als einheitlicher Beitrag mit 14,6 % + Sonderbeitrag von 0,9% für Arbeitnehmer festgelegt. Die Kassen erhielten die Möglichkeit, pauschale Zusatzbeiträge von max. 1% des Brutto zu erheben.…
2005
Juli 1

Einführung Sonderbeitrag | Ende der Parität

Ab Juli 2005 wurde durch die Große Koalition erstmals das Prinzip der paritätischen Finanzierung in der GKV zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgehoben. Die Versicherten zahlten ab diesem Datum einen so genannten Sonderbeitrag von 0,9 Prozent.

Sonderbeitrag und Aufhebung der Parität (Reform 2008)

Bis Ende 2008 konnten die gesetzlichen Krankenkassen ihren Beitragssatz abhängig von ihrer Haushaltslage selbst festlegen. Die Spanne reichte dabei zuletzt von circa 11 Prozent bis 16 Prozent. Diesen Beitrag trugen bis zur Mitte des Jahres 2005 die Arbeitgeber und Arbeitnehmer genau zur Hälfte. Wer damals in einer sehr günstigen Kasse versichert war, brauchte also nur weniger als sechs Prozent seines Bruttoeinkommens an diese abführen. Im Juli 2005 wurde ein Sonderbeitrag für Arbeitnehmer von knapp einem Prozent ( genau 0,9 % ) eingeführt und das Paritätsprinzip damit aufgehoben. Arbeitnehmerbeiträge von unter sechs Prozent waren damit Geschichte.

Gesundheitsfonds und Einheitsbeitrag (Reform 2009)

Mit der Gesundheitsreform der großen Koalition und der Einführung des Gesundheitsfonds im Januar 2009 wurde dann in einem nächsten Reformschritt ein einheitlicher Beitragssatz für alle Krankenkassen eingeführt. Dieser lag bei 15,5 Prozent ( zwischenzeitlich von Mitte 2009 bis Ende 2010 auch bei 14,9 Prozent ). Der Sonderbeitrag für Arbeitnehmer blieb in Form einer Deckelung der Arbeitgeberanteils bei 7,3 Prozent erhalten. Versicherte hatten den bis dato höchsten Beitragssprung hinzunehmen, denn plötzlich mussten sie nun ohne Ausnahme mindestens 8,2 Prozent von ihrem Brutto an die Kasse abführen.

Zusatzbeitrag und Überschussprämien (Reform 2009)

Mit der schwarz-gelben Gesundheitsreform von 2009 wurden alle Kassen verpflichtet, bei Bedarf einen einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag als reinen Geldbetrag zu erheben. Ab 2010 wurde dies bei mehr als zehn Krankenkassen angewendet. Diese Zusatzbeiträge mussten von den Versicherten als Jahresbetrag selbst überwiesen werden und waren theoretisch nach oben unbegrenzt. Die real erhobenen Zusatzbeiträge lagen monatlich zwischen 8 und 16 Euro und hatten hunderttausendfache Krankenkassenwechsel zur Folge. Im umgekehrten Fall waren die Kassen berechtigt, ihren Versicherten Geldprämien aus Überschüssen zu zahlen. Auch davon machten einige Kassen Gebrauch, deren Prämien zwischen 30 und 120 Euro pro Jahr lagen.

Einkommensabhängiger Zusatzbeitrag (Reform 2013)

Die neue große Koalition ab 2013 schaffte mit Wirkung vom 1. Januar 2015 pro Forma den Sonderbeitrag von 0,9 Prozent und die einkommensunabhängigen Zusatzbeiträge ab, wie sie die Krankenassen zwischenzeitlich erhoben hatten. Dafür war es den Kassen nun erlaubt, einen individuell festgelegten, prozentualen Zusatzbeitrag zu erheben, der genau wie der allgemeine Beitragssatz einkommensabhängig ist und auch wieder automatisch vom Bruttoeinkommen abgezogen wird. Die Deckelung der Arbeitgeberbeiträge bei 7,3 Prozent wurde erneut nicht angetastet, dafür aber die Parität beim allgemeinen Beitragssatz (7,3 % | 7,3 % = 14,6 %) wieder hergestellt. Wirksam ist diese aber nur dann, wenn kein Zusatzbeitrag erhoben wird.

Die Krankenkassen können seither ihre Ausgaben über einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag decken, der auf den allgemeinen Beitragssatz addiert wird. Der Zusatzbeitrag wird allein von den Versicherten getragen und einkommensabhängig vom Bruttogehalt automatisch abgezogen. Derzeit gibt es sowohl Krankenkassen, die gar keinen Zusatzbeitrag verlangen, als auch Kassen mit einem Zusatzbeitrag von 1,7 Prozent. Die Versicherten müssen je nach Krankenkasse 7,3 Prozent (kein Zusatzbeitrag) bis zu 9 Prozent (Kasse mit höchstem Zusatzbeitrag, Stand Juli 2018) ihres Bruttoeinkommens an die Krankenkasse abführen.

Paritätische Finanzierung (Versichertenentlastungsgesetz 2018)

Unter der neuen großen Koalition, die im März 2018 ihre Arbeit aufnahm, beschloss das Bundeskabinett am 6. Juni 2018 einen Entwurf des Gesetzes zur Beitragsentlastung der Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versichertenentlastungsgesetz, GKV-VEG).
Darin enthalten ist die Rückkehr zum Paritätsprinzip:
Während die Kosten für den allgemeinen Beitragssatz in Höhe von 14,6 Prozent des beitragspflichten Einkommens weiterhin zu gleichen Teilen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer (jeweils 7,3 Prozent) getragen werden, wird ab 1. Januar 2019 auch der Zusatzbeitrag gleichermaßen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert. Arbeitgeber und Abreitnehmer tragen die Beiträge zur GKV dann jeweils zur Hälfte.
(Arbeitgeberanteil = Arbeitnehmeranteil = ½ allgemeiner Beitragssatz + ½ Zusatzbeitrag)

Aktuelle Entwicklungen durch alternde Bevölkerung

Ein Report des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) setzt sich mit der Thematik der alternden Bevölkerung in Deutschland auseinander. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf den Herausforderungen, vor denen die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung stehen. Die Kosten bei Krankheit und Pflege steigen mit zunehmendem Alter der Bevölkerung. Dies führt zu finanziellen Problemen in den beiden Versicherungszweigen. Doch nicht nur die steigenden Kosten sorgen für schwierige Zustände, sondern auch die Regelungen zur Beitragszahlung: Die Höhe der Beiträge älterer Kassenmitglieder sinkt, da sich die Versicherungsbeiträge nach dem individuellen Einkommen richten und viele Personen im Alter mit ihrem Einkommen unterhalb der Erwerbseinkommen liegen. Aus diesem Grund sind die finanziellen Defizite der Kranken- und Pflegeversicherung sowohl auf Seiten der Einnahmen als auch auf denen der Ausgaben zu verzeichnen. Diese Entwicklung müsse, so der Report des IW Köln, die Politik zum Handeln motivieren.

Laut Report müssen stets mehrere Zweige der gesetzlichen Sozialversicherung betrachtet werden: Diskutiert man die Tragfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung, müsse man gleichzeitig die Folgen für die Pflege- und Krankenversicherung in die Überlegungen einbeziehen, denn alle drei Versicherungszweige seien vom demografischen Wandel betroffen.
Der Bedarf an medizinischen Leistungen wie Medikamenten und Pflege steigt mit zunehmendem Alter. Bei einer zunehmend alternden Bevölkerung führt dies unweigerlich zu größeren Ausgaben seitens der Sozialversicherungen. In ihrem Report simuliert das IW Köln vordergründig die Folgen für die Kranken- und Pflegeversicherung, wenn der demografische Wandel zukünftig zwar fortschreitet, es also immer mehr ältere Personen gibt, die Menschen aber insgesamt dank des medizinischen Fortschritts gesünder als heute sind. Alles zur Simulation und den Schlussfolgerungen kann hier nachgelesen werden: https://www.iwkoeln.de/studien/iw-reports/beitrag/susanna-kochskaemper-alternde-bevoelkerung-330668.

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